Monolog von Martin Heckmanns
mood club, Landestheater Schwaben, Memmingen
Regie, Ausstattung
Joël Dufey stürzt als Benson-Boone-Verschnitt im hautengen blauen Einteiler und Pelzmantel in den Mood Club. Es ist zugleich irritierend, wie einnehmend. Der Ton ist gesetzt. Martin Heckmanns’ Monolog, 1999 uraufgeführt, wirkt dabei erstaunlich gegenwärtig. Der Protagonist ist ein junger Mann, der ein mögliches erstes Gespräch mit der angebeteten Postbotin in unzähligen Variationen durchspielt. Er steht exemplarisch für die loneliness epidemic, die seit der Pandemie Konjunktur hat. Doch Regisseur Thorsten Köhler vermeidet jede Form soziologischer Überdeutlichkeit. Nur ein subtiles Sentiment von Einsamkeit durchzieht die Inszenierung.
Dufey ist dafür prädestiniert. Er spielt den Charakter nicht als Opfer der Gegenwart, sondern als einen etwas eigenwilligen Träumer, der sich seine Hoffnung noch bewahrt hat. Sein Spiel changiert zwischen überdrehter Komik und rührender Melancholie. Stellenweise wirkt seine Darbietung fast slapstickhaft. […]
Die Handlung selbst bleibt minimal: ein Countdown, eine wartende Figur, sprunghafte Gedanken-Karusselle. Köhler nutzt diese Ereignislosigkeit und vertraut ganz auf die Energie seines Darstellers. Dass Handlung und Echtzeit übereinstimmen, erhöht die Spannung vor der heiß ersehnten Begegnung. Der fortwährend laufende Countdown baut Druck auf. Die Sprache, reich an Bildern, Gedankensprüngen und grotesken Abschweifungen, wird durch Dufeys Vortrag zu einem Strom, der mal in komischen Strudeln kreist, mal in überraschend klare Sätze mündet. „Manchmal, wenn ich aufwache, denk ich, das wird sicher schön das Leben“, sagt er.
Das Stück kippt dabei nie ins Lächerliche oder in Sentimentalitäten. Die einnehmende Musikauswahl untermauert das. In einem feinen Gleichgewicht zwischen Überdrehtheit und Verletzlichkeit trägt der Hauptdarsteller den Abend. Am Ende ist „Finnisch“ ein kleines, überraschend erheiterndes Solo über die Schwierigkeit, sich dem Leben auszusetzen und über den Mut, sich ihm dennoch zu stellen.
Saskia Biehler, Allgäuer Zeitung








