„Wenn Utopie nur noch ein Update ist, bleibt das System selbst unangetastet.“


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Chimära 2.1

Soloperformance im Geist der Utopie und der Science-Fiction

Die Zeichen stehen auf Sturm. Wir leben in apokalyptischen Zeiten. Der Boden wankt. Unser Zustand ist Angst. Oder ist das schon Furcht? Doch wovor genau zittern wir eigentlich? Vor dem nächsten Krieg? Dem Aufmarsch der Neuen Rechten oder der Wut der Antifa? Vor Klimakollaps, Altersarmut, Inflation oder vor der K.I. und dem Uprising der Roboter? Die Welt von heute ist ein konfuses Gewirr aus Hiobsbotschaften, und wir fühlen uns in einem schwindelerregenden Labyrinth ständig neuer Schrecknisse und Zumutungen. Panik ist hier kein Fehler – sie ist die einzig logische Reaktion.

Doch Panik ändert nichts am Zustand der Welt. Was es braucht, sind keine weiteren Beruhigungspillen, sondern Coping-Mechanismen. Wie schöpft man Mut in einer dystopischen Realität, in die man tagtäglich hinauszieht, um das Fürchten zu lernen?


„Was ist das nur für ein unmenschliches System, in dem man sich an seinem letzten Tag auf Erden nicht mal mehr noch’n Bier reinstellen darf?“


In CHIMÄRA 2.1 rennt eine Frau um ihr Leben – und gegen unsere kollektive Trägheit an. Sie flieht aus der vermeintlichen Komfortzone eines den frühen Tod verherrlichenden Überwachungsstaats und hinein in die Überforderung ihrer eigenen Freiheit: „Wohin ich auch komme, irgendetwas versucht immer, mich zu töten.“ Inspiriert vom utopischen Grundgedanken, dass wir erst dann wirklich existieren, wenn wir anfangen zu erträumen, was noch nicht ist, liefert Nina Schopka eine Performance zwischen Highspeed-Jagd und philosophischem Mittelfinger.

CHIMÄRA 2.1 ist schweißtreibender Mix aus dystopischer Science-Fiction und radikaler Hoffnung. Hier wird nicht höflich angeklopft, hier wird die Türe eingetreten. Ein Abend über die Sehnsucht nach dem Besseren und die brennende Frage: Bist du noch Rädchen im Getriebe – oder läufst du schon davon?

Mitwirkende

Performance und Ko-Regie: NINA SCHOPKA

NINA SCHOPKA  arbeitet freischaffend als Schauspielerin und Regisseurin für Theater, Film und Fernsehen.
Ihre Engagements führten und führen sie an nationale und internationale Staats- und Stadttheater in Salzburg, Berlin, Linz, Konstanz, Karlsruhe, Luxemburg und Saarbrücken, sowie ausgesuchte freie Compagnien in Deutschland und Frankreich.  Vielfach arbeitete sie mit namhaften Regisseur*innen wie Piotr Fomenko, Sebastian Baumgarten, Simone Blattner, Dagmar Schlingmann, Marcus Lobbes und Michael Talke.

In der Kritiker*innen-Umfrage von Theater heute wurde sie 2020 und 2023 als SCHAUSPIELERIN DES JAHRES nominiert. 2016 gründete Nina Schopka das experimentell ausgerichtete Korso-op.Kollektiv in Saarbrücken. Als Performerin, Regisseurin und in der konzeptionellen Arbeit hat sie sämtliche Produktionen des Kollektivs initiiert und entscheidend mitgestaltet.

Für ihre Arbeit im Kollektiv erhielt sie, neben dem KULTURPREIS FÜR KUNST 2020 der Region Saarbrücken auch zwei Nominierungen von Theater heute als INSZENIERUNG DES JAHRES 2020 und 2021. 

Regie und Text: THORSTEN KÖHLER

THORSTEN KÖHLER arbeitet freischaffend als Regisseur, Schauspieler und Bühnen- und Kostümbildner. Als Schauspieler arbeitete an und für zahlreiche Stadt- und Staatstheater in ganz Deutschland. Seit dem Jahr 2011 inszeniert er, schreibt eigene Stücke und entwickelte diverse Kleinkunstformate wie die auch in Saarbrücken beliebte Trashfilmreihe „Mondo Tasteless“, für die er zwei Jahre in Folge den Kinoprogrammpreis der Mitteldeutschen Medienförderung erhielt.

Unter Generalintendant Bodo Busse übernahm er die Künstlerische Leitung der sparte4 am Saarländischen Staatstheater, deren Hauptschwerpunkt ein ausgeprägt junger und zeitgenössischer Spielplan mit zahlreichen Projekten, Uraufführungen und experimentellen Theaterformen, aber auch Lesungen, Konzerten und Performances handverlesener Nachwuchskünstler*innen mit dem Fokus auf Populärkultur und Trash, Partizipation und Gegenwartsdramatik bildete. In Saarbrücken adaptierte er zuletzt Kim de l’Horizons Roman „Blutbuch“ für die sparte4 und inszenierte Caren Jeß’ „Die Katze Eleonore“ mit großem Erfolg ebenda.

Ausstattung: GREGOR WICKERT

Gregor Wickert studierte an der Kunstakademie Düsseldorf freie Kunst. Nach Assistenzen führten ihn seine Arbeiten an Theaterhäuser im In- und Ausland. Seit 2002 kreiert er Bühnen- und Kostümbilder u.a. für das Schauspielhaus Hamburg, Theater Basel, Deutsche Oper Berlin, Staatstheater Nürnberg, Staatstheater Braunschweig und Saarländisches Staatstheater. Mit den Regisseur*innen Katharina Schmidt, Alexandra Holtsch, Christopher Haninger, Christoph Diem und Markus Heinzelmann verbindet ihn eine langjährige Zusammenarbeit.

Von 2004–2011 war er als Ausstattungsleiter Teil des künstlerischen Leitungsteams mit Markus Heinzelmann und Marcel Klett am Theaterhaus Jena und prägte neben zahlreichen Produktionen das Erscheinungsbild des Hauses entscheidend mit. Anknüpfend an diese Erfahrungen gründete er 2016 das Korso-op.Kollektiv und entwickelt seither seine künstlerische Arbeit weiter in Richtung immersive Raumgestaltung und Möglichkeit zur Interaktion. Als Ausstatter, Produktionsleiter und in der konzeptionellen Arbeit hat er sämtliche Produktionen des Kollektivs mitinitiiert und entscheidend mitgestaltet. Das Korso-op.Kollektiv erhielt für die Produktionen 2020 und 2021 eine Nennung von Theater heute als Inszenierung des Jahres, sowie 2020 den Kulturpreis für Kunst des Regionalverband Saarbrücken.

Neben seiner Tätigkeit für das Theater arbeitet Gregor Wickert auch für Film und Fernsehen.

Video und Tondesign: GRIGORY SHKLYAR

GRIGORY SHKLYAR wurde in Russland geboren und wuchs in St. Petersburg und Innsbruck auf. Seit 2017 arbeitet er als freischaffender Videokünstler und Regisseur an Theatern im ganzen deutschsprachigen Raum. In seinen Visuals für die Bühne setzt Grigory Shklyar eine breite Palette an Techniken und Formen ein: angefangen von klassischen Videoeinspielern und Live-Kamera über Video-Walls und Multiscreen-Installationen bis hin zu visuellen Erweiterungen des Bühnenraums durch komplexe Projection-Mapping Inhalte.

Zuletzt widmete er sich verstärkt dem Theaterfilm. Für das Staatstheater Braunschweig inszenierte und drehte er 2021 eine musikalische Version von Johann Wolfgang Goethes »Werther«. Mit der digitalen Theaterserie »Princess Hamlet« am Theater Rampe Stuttgart, wo er für die Videoregie, Kamera und Schnitt verantwortlich zeichnete, war er zum 39. Heidelberger Stückemarkt (dessen Stipendiat er 2018 war) eingeladen. Der Theaterfilm »Der DJ ist mein Vater«, eine Ko-Produktion von TD:Berlin und E-Werk Freiburg, bei dem er die Videokonzeption, Kamera und Schnitt übernahm, wurde 2022 zum Theaterfilm-Festival am Ballhaus Ost eingeladen.

Neben seiner Tätigkeit am Theater widmet sich Grigory Shklyar auch dem Dokumentarfilm.

Lichtdesign: JAN ALBERT

Regieassistenz: LEONARD JAHNKE

Special Appearance by: ELFIE ELSNER

Pressestimmen

DYSTOPIE IM SILODOM: MIT 20 IST SCHLUSS

von David Lemm, Saarbrücker Zeitung vom 9.5.2026

Stellen Sie sich Folgendes vor: Sie sind jung und gesund. Dennoch haben Sie nur noch ein paar Stunden zu leben. Denn heute ist ihr letzter Tag. Der Staat will es so. Stichwort Überbevölkerung. Mit 20 ist Schluss. Für jeden. Basta. Der Gang ins Einschläferungszentrum unausweichlich. Ganz schön krass, nicht wahr? Oder etwa doch nicht? Klingt utopisch. Ist es auch. […]

[Denn es handelt sich] um ein in der Zukunft verortetes Gedankenexperiment mit Trash-Charakter, das gegenwärtige Ängste und Nöte mitverhandelt. „Schließlich ist es im Moment sehr dystopisch und auch ganz schön entmutigend, was gerade in der Welt passiert“, findet Nina Schopka (Korso-op.Kollektiv) und stellt klar: „Wir geben keine Antworten, wir sind ja nicht der Papst.“ Schopka verkörpert nicht nur die Hauptfigur des Ein-Frau-Stücks, sondern hat mit Köhler die bühnenreife Endfassung verfasst. 

Am sogenannten „Endtag“, als das Leben der todgeweihten Protagonistin im Begriff ist zu enden, setzt die Handlung ein. […] Wir befinden uns in einer Bar, irgendwo auf der Erde, in einer nicht genau datierten, nicht allzu fernen Zukunft. Es läuft die Panflöten-Version von „Who wants to live forever“. Einer der wohl akzentuiertesten Andockpunkte zur Gegenwart. Die Hauptfigur hat Durst, größeren Durst als vom System erlaubt. Ein Herrengedeck soll es sein – und andere Musik gefälligst. 

Im Angesicht des nahenden Todes beginnt sie ihre Existenz und das Menschsein an sich zu rekapitulieren. […] „Obwohl das Stück mit der relativ krassen Situation beginnt, entwickelt sich dann etwas, was eine Art Licht am Ende des Tunnels sein könnte“, verrät Schopka. Denn es geht den Machern keineswegs nur um die schonungslose Bestandsaufnahme aktueller Krisen. […] „Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen“ […] Gestern wie heute und zukünftig.

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